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5 Monate Praktikum in der Schule Sol Naciente in Lima-Peru Ein Erlebnisbericht von Jora Steidl im Januar 2004
Schon seit einigen Jahren wusste ich , dass ich nach dem Abi ersteinmal etwas ganz Anderes und Neues erleben wollte. Wie so viele andere auch ,
fühlte ich mich in die Ferne gezogen, um genau dieses „Andere“ im Unbekannten zu entdecken. Doch je näher dieser Zeitpunkt rückte, desto deutlicher wurde mir, dass ich nicht nur auf eine große Reise gehen, sondern
vielmehr aktiv an einem Ort mithelfen wollte. Ich erhoffte mir davon einen besseren Eindruck von einem Land und seinen Leuten bekommen zu können. Somit wurden meine Reisepläne zu einer Art Freiwilligendienst im
Ausland umfunktioniert.
Nach langer Suche ergab sich die Möglichkeit ein Praktikum in der Schule SOL NACIENTE im Armenviertel Pachacutec in Lima-Peru zumachen. Dort
sollte ich als provisorische
Englischlehrerin eingesetzt werden und die schon anwesenden Lehrerinnen in ihrer Arbeit unterstützen. Nach einem Spanisch-crash-kurs Ende Januar 2003 ließ ich den deutschen Winter hinter mir und machte mich auf in die Wüstenhitze Limas. Bald schon wurde mir bewusst, dass ich mich in einer komplett anderen und mir völlig fremden Welt befand.
Meine erste Fahrt nach Pachacutec, dem, außerhalb Limas liegenden Armenviertel, versetzte mich in eine Art Schock – Lähmungszustand. Angesichts des
Elends, der für uns unvorstellbaren Lebensumstände und Schicksale der Menschen, hatte ich das Gefühl nichts ausrichten zu können. Doch je öfter ich mich mit dem Bus über dir holprige Straße
zu der Dünenstadt aufmachte, desto deutlicher konnte ich die trotzdem existierende Lebensfreude, den unendlichen Einfallsreichtum und die Fähigkeit der Menschen das Beste aus ihrer Situation zu machen, erkennen.
Nach und nach steckte mich die Zuversicht und der zum Überleben notwendige Optimismus der Lehrerinnen und Schüler an. Mir wurde immer klarer, dass
die Schule SOL NACIENTE (span: „aufgehende Sonne“) tatsächlich einen Hoffnungsschimmer im Leben der Kinder darstellt. Hier können sie die triste Realität der Küstenwüste für einige Stunden vergessen und
wirklich Kinder sein. Denn das Leben in den meisten Familien beschränkt sich auf das Allernötigste. Viele besitzen fast nichts außer ein paar Kleidungsstücken, einigen Haushaltsgegenstände und eine aus allen nur
erdenklichen Materialien zusammengebaute Hütte mit Sandboden.
Dreimal die Woche kommt ein Lastwagen mit Wasser, der die Familien mit dem nötigen Trinkwasser versorgt. Eine Müllabfuhr gibt es nicht, der Müll
dient als Hundefutter oder wird vor der Hütte verbrannt.
Die Randsiedlung wächst in rasantem Tempo heran, innerhalb weniger Wochen ist die einst einsame Straße die sich die Dünen zur Siedlung hinauf
windet von neuen provisorischen Hütten gesäumt. Von heute auf morgen entsteht die neue Stadt, ohne Unterlass strömen neue „Provinzler“ voll Hoffnung in die Hauptstadt, um ihre Träume zu verwirklichen. Leider geht
ihre Rechnung nicht immer auf und viele Träume entpuppen sich als unverwirklichbare Illusionen. Viele der schon erwachsenen Einwohner Pachacutecs resignieren angesichts der Hoffnungslosigkeit im Armenviertel, fern
vom Lima ihrer Träume. Die Trennung von ihrem gewohnten sozialen und kulturellen Umfeld nimmt vielen Einwohnern ihre Sicherheit und Perspektive.
Angesichts dieser harten Umstände schaffen es die Kinder Pachacutecs trotzdem mit dem wenigen Vorhandenen eine phantasievolle und fröhliche
Kindheit zu durchleben. Diese Lebensfreude und Zufriedenheit der Kinder hat mich wirklich ungemein beeindruckt und nicht nur mir neue Hoffnung gegeben.
Vielen Dank!
Jora Steidl
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