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Das Phänomen der früher illegalen Landnahme um die Großstädte herum finden wir in Kairo, in Manila, in Sao Paulo und Rio de Janeiro
(„Favelas“) und in Lima. Die Landflüchtigen wollen um jeden Preis mietfrei in der Nähe der glitzernden Hauptstadt wohnen, und nehmen in Kauf, dass vier Stecken im Boden und eine Plastikplane darüber ihre
erste Behausung ist. Es gibt keine Apotheke, keine Schule, kein Polizeirevier, keine Kapelle, wenn Tausende in einer Vollmondnacht ein Stück Wüste besetzen. Die „Front“ dieser Randsiedlungen rückt schnell in
neues Niemandsland vor, und in wenigen Jahren schon wird eine frühere Spontansiedlung zur Vorstadt, in der Internetcafés an noch ungepflasterten Strassen entstehen. Vor 20 Jahren hat die peruanische Frau eines
Deutschen, der wiederum seine Inspiration von den Barfußschulen des Mahatma Gandhi bezogen hat, auf stadtfernen, menschenleeren Dünen in den verstreuten Behausungen Kinder aufgespürt und denen getreulich
Sonntagsschule gehalten. Daraus entstand eine nicht nur biblische Geschichten vermittelnde, sondern amtlich anerkannte Schule, die mehrere Male neu zu bauen war. Auch der nachrückende Staat hat ein Gebäude
abgerissen. Die Büchersammlung haben Soldaten geplündert. Der „Finstere Pfad“ =Sendero hat sie zu seiner Hoch-Zeit, als er z.B. ein Hilfsgüterlager der Caritas in die Luft jagte und gefürchtet war,
„genehmigt“. Junge Deutsche haben ihr viele Monate ihr Engagement geschenkt. Die Baukosten kamen von der deutschen Hilfsorganisation Ayudame e.V., unseren „Adoptiveltern“. Die peruanische Oberschicht
beteiligt sich nicht am Schulwerk!
Als ihr auf das Überleben der Randsiedler orientierter Lehrplan angesichts vorstädtischen Komforts überflüssig wurde, hat Manuela, die
Gründerin und Seele der Idee, die Bänke und Wandtafeln genommen, und ist erneut aufgebrochen- an die Grenzlinie zwischen den Randsiedlern und der unberührten Wüste (wo sich nicht „Fuchs und Has“, sondern
„Pelikan und Wüstenfuchs“ Gutenacht sagen), und dort hat Manuela eine bildschöne Schule aus Holz aufgebaut, denn vielleicht würde man zu einem erneuten Umzug „an die Front“ gezwungen, und Holzwände
lassen sich abmontieren . Die beiden alten steinernen Schulgebäude in der jetzigen Vorstadt übernahm Frau Ludmila unter dem Namen El Sembrador (=der Sämann), während die früher erste Schule in der neuesten
Randsiedlung Pachacútec (Richtung Ancón) den aus dem Japanischen Yoshiyama übersetzten Namen „Sol Naciente“ (=Aufgehende Sonne) trägt. Die Gründerin Manuela Castañeda de Borst kann aus gesundheitlichen
Gründen nicht mehr täglich anwesend sein, später gekommene Schulen werben Schulkinder ab. Die schöne Holzschule bemüht sich heute um eine qualitativ hochstehende Nische in der Schullandschaft von Pachacútec,
ihre Säulen sind hervorragende Schulspeisung, Kunsthandwerk, Sonderpädagogik (großer Bedarf) und Inglés (jeder will zumindest Good Morning sagen können).
Immer willkommen sind Besuche, z.B. von Soziologie-Studenten aus Deutschland usw., und meist engagiert sich eine ausländische Lehrkraft an
dieser Küstenwüstenschule in Perú.
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